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Bericht:
Tagesanzeiger
Dübendorf: 120 Rettungskräfte proben den
Ernstfall
Ein Unfall auf der neuen Linie 12 der
Glattalbahn zwischen Bahnhof Stettbach und
dem Flughafen hätte weit herum Auswirkungen.
Die Übungsanlage: Wegen Glatteis erfasst ein
Tanklaster drei Menschen. Danach kollidiert
er mit der Glattalbahn.
Dübendorf – Es ist eisig kalt und
stockfinster an diesem Novemberabend. Soeben
verlässt die Glattalbahn die Haltestelle
Giessen im Niemandsland der Dübendorfer
Industrie. Sie befährt die neue Linie 12 in
Richtung Flughafen Kloten. Dann, kurz nach
der Chriesbachbrücke, rutscht ein Tanklaster
vor die herannahende Glattalbahn. Weil der
Lastwagen auf der eisigen Fahrbahn nicht
mehr bremsen konnte, hat er drei Männer
erfasst und auf die Schienen mitgeschleift.
Dadurch geraten sie unter die Komposition
der Glattalbahn, die trotz einer
Vollbremsung eine Kollision nicht verhindern
kann. Der Heizöltransporter wird einige
Meter mitgerissen, der Anhänger kippt zur
Seite und wird aufgeschlitzt. Öl läuft aus.
Als eine Doppelpatrouille und die Feuerwehr
Dübendorf eintreffen, stossen sie auf zwei
Tote, mehrere Schwerverletzte und Heizöl,
das in den Chriesbach läuft. Kurz, nachdem
sich die Rettungskräfte ein Bild vom Unfall
gemacht haben, hört man Sirenen: Ein
beeindruckender Korso an Blaulichtfahrzeugen
fährt ein. Bald wimmelt es von Polizisten,
Feuerwehrmännern und Sanitätern auf der
Unfallstelle. Mit dabei: die Stützpunkt-feuerwehren
Wallisellen und Kloten sowie die
Ortsfeuerwehr Dübendorf.
Rund 120 Männer sind vor Ort. Sie alle
nehmen an der Einsatzübung «Chriesbach 10»
teil. Keiner kannte das Szenario im Voraus.
Öl fliesst in die Glatt
«Als Erstes muss der Schadensplatz
eingerichtet werden», sagt Bruno Keller,
Einsatzleiter und Chef Regionalpolizei. Die
Schwierigkeit eines solchen schwerwiegenden
Unfalls liege darin, die Chaosphase so kurz
wie möglich zu halten. «Die verschiedenen
Organisationen müssen raschmöglichst im
Gleichschritt zusammenarbeiten.» Das scheint
zu funktionieren: Während die Feuerwehrleute
die Verletzten bergen, sperrt die Polizei
die Unfallstelle ab und leitet den Verkehr
um. Der Einsatzleiter der Verkehrsbetriebe
Glattal organisiert einen Ersatzbus. Derweil
richten die Sanitäter ein Verwundetennest
ein und behandeln die Verletzten vor Ort.
Für die Unverletzten und die Medien wird
eine Sammelstelle eingerichtet. Polizei und
Feuerwehr stellen mobile Leitstellen auf.
Dort kommen regelmässig die Bereichsleiter
zum Rapport zusammen, um sich Überblick zu
verschaffen und die nächsten Schritte zu
besprechen.
Am Rapport wird klar, dass neben den
Verletzten ein weiterer Punkt prioritär
behandelt werden muss: die Fliessgewässer.
250 Liter Heizöl fliessen Minute für Minute
aus dem kaputten Anhänger durch den
Chriesbach in die nahe Glatt. «Weil nicht
klar ist, wo sich zurzeit das Öl befindet,
haben wir neben der Ölsperre im Hagenholz
auch die Sperre in Hochfelden in Betrieb
genommen», sagt Andreas Meyer,
Pikettdienstleiter des Amts für Abfall,
Wasser, Energie und Luft (Awel). Er ist
einer der externen Fachleute, die zur Übung
beigezogen wurden. Ein Staatsanwalt gibt an,
dass er den Fahrtenschreiber des Lastwagens
benötigt und veranlasst, dem Chauffeur eine
Urinprobe zu entnehmen. Weiter wird
besprochen, wer die Angehörigen der Toten
benachrichtigt. «Unfallszenario und Druck
sollen so realistisch wie möglich sein»,
sagt Ueli Zoelly von der Kantonspolizei.
Hintergrund der Übung ist die Inbetriebnahme
der dritten Etappe der Glattalbahn am 12.
Dezember. Dann fährt erstmals ein Tram über
die Stadtgrenze hinaus, in das Gebiet der
Kantonspolizei. Eine Übung in diesem Ausmass
werde ungefähr einmal jährlich durchgeführt.
Die Kosten teilen sich die teilnehmenden
Organisationen. Diese befinden sich laut
Zoelly im «kleinen Rahmen».
Nach zwei Stunden zieht Einsatzleiter Bruno
Keller Bilanz: «Die Übung hat gezeigt, dass
wir auf Katastrophen vorbereitet sind. Die
Beteiligten kennen ihre Aufgaben und
Zuständigkeiten.» |