Embrach: Feuerwehr inszeniert Unfall-Katastrophe

10. November 2012

Bericht: Zürcher Unterländer

Ein Horrorszenario präsentiert sich den Rettungskräften auf der Embracher Hardrütistrasse in der Nähe der Klinik Hard: Ein gut besetzter Linienbus liegt umgekippt auf der Strasse. Weiter vorn sind zwei Personenwagen frontal ineinandergeprallt. Die Insassen sind alle bewusstlos. Doch damit noch nicht genug: Auch zwei Traktoren sind in den massiven Unfall verwickelt und stehen kreuz und quer auf der Fahrbahn.

Zum Glück für alle Beteiligten handelt es sich nur um eine Übung, welche die Feuerwehr Embrachertal am Donnerstagabend gemeinsam mit der Stützpunktfeuerwehr durchgeführt hatte. Auch die Bülacher Feuerwehr war mit einem Fahrzeug beteiligt, und Rettungssanitäter aus Kloten standen ebenfalls im Einsatz. Involviert war auch die Kantonspolizei. Insgesamt befanden sich weit über 100 Rettungskräfte auf dem Übungsplatz unweit des Embracher Feuerwehrgebäudes.

Kurz nach Übungsbeginn herrscht noch blankes Chaos auf der Unfallstelle. Feuerwehrmänner und Polizisten irren umher und versuchen, sich einen Überblick zu verschaffen. «Keiner der Anwesenden war über den Einsatz vorinformiert», erklärt Hansruedi Roth, Kommandant der Feuerwehr Embrachertal. Gemeinsam mit seinem Klotener Kollegen Martin Schwarz hat er das Unfallszenario ausgeheckt und die Übung auf die Beine gestellt. «Der übungsleitende Kommandant ist jetzt gefordert, ja fast schon ein armes Schwein», sagt er. Allmählich entdecken die Feuerwehrleute die verletzten Personen im umgekippten Bus. Einige torkeln selbständig aus dem Fahrzeug, andere werden herausgetragen. Auch Kinder befinden sich unter den Opfern. Der Samariterverein Embrach hat den Figuranten Wunden geschminkt - so hat einer einen blutverschmierten Schädel, und ein anderer Verunfallter hat einen Nagel in einer Hand. Die Feuerwehrmänner versammeln die Verletzten auf dem Trottoir und teilen ihnen Wärmedecken aus.

In der ersten Einsatzphase bei einem solchen Grossereignis wird zunächst der Schadenplatz organisiert. «Zunächst muss die Rettungsachse festgelegt werden, dann sind die Standorte für Patientensammelstelle, Sammelstellen für Unverletzte und Angehörige sowie der Warteraum für Rettungsmittel festzulegen», erklärt Bruno Keller, Chef der Sicherheitspolizei. In einem dritten Schritt werde die Kommandozentrale platziert. Gleichzeitig wird mit den Bergungsarbeiten der Verletzten begonnen, bevor man sich den unverletzten Unfallbeteiligten zuwende. Nicht zuletzt muss sich die Polizei auch um die Angehörigen der Verletzten kümmern. Denn bei einem Horrorunfall wie diesem wisse innert kurzer Zeit das ganze Dorf Bescheid, und schon bald sei die Unfallstelle voll von besorgten Eltern. Gut 20 Minuten nach Übungsbeginn versammeln sich die Einsatzkräfte zu einem ersten Rapport. Die Bilanz ist erschütternd: «Die beiden Traktorfahrer sind tot. Im Bus befanden sich etwa 20 Personen. Ein Kind und der Chauffeur sind eingeklemmt. Drei Passagiere klagen über Rückenprobleme», erklärt ein Angehöriger des Rettungsdienstes. Auch der Druck von aussen nimmt zu. «Wir haben zahlreiche besorgte Anrufe von Angehörigen. Wir werden eine Hotline für sie einrichten», erklärt der zuständige Polizist. Auch die Medien seien mittlerweile vor Ort, rapportiert Werner Benz, Kommunikationschef der Kantonspolizei. Er werde die Journalisten an einem zentralen Ort sammeln und sie im Rahmen einer ersten Medienkonferenz informieren.

Die Feuerwehr ist noch immer dabei, die Verletzten aus den frontal kollidierten Personenwagen herauszuschneiden. Gut eine Stunde nach Übungsbeginn sind alle Verletzten geborgen. Keller zeigt sich zufrieden mit dem Verlauf des Einsatzes: «Die Zusammenarbeit der verschiedenen Einsatzkräfte hat sehr gut funktioniert.» Nach einer hektischen Anfangsphase sei sehr schnell Ordnung in die Arbeit der Retter gebracht worden. Dennoch bleibt zu hoffen, dass in Embrach in absehbarer Zeit kein Linienbus verunglückt.